Verwahrt und vergessen

Psychisch kranke Menschen spielten in der Öffentlichkeit, in Literatur, Kunst und Film der DDR keine Rolle. An sozialistischen Feiertagen oder bei prominenten Politikerbesuchen gab es für Psychiatriepatienten bis 1989 eine Ausgangssperre.Die Geschichte der DDR-Psychiatrie ist durch enorme Widersprüche gekennzeichnet. Einerseits wurde alles versucht, psychisch Kranke aus dem öffentlichen Leben zu verbannen. Andererseits waren sie stärker als im Westen in die normale Arbeitsgesellschaft integriert, wenn auch nur wegen des allgemeinen Arbeitskräftemangels. Trotz zentralistischer Führung und intensiven Einsatzes der Staatssicherheit gab es jedoch auf Grund engagierter Ärzte und Pfleger enorme Unterschiede in der Behandlung der Kranken. In allen psychiatrischen Einrichtungen der DDR herrscht bis 1989 jedoch ein eklatanter Mangel an Personal, räumlichen Kapazitäten, Ausstattung und Medikamenten.

Wie ging das zusammen? Die neuen sozialistischen Menschen der DDR, die in kollektiver Disziplin und Gleichheit Glück und Zufriedenheit finden sollten und psychisch Kranke, bei denen Chaos, Unordnung und Wahn das Leben regierten? Gab es eine kommunistische Psychiatrie?

Der Film dokumentiert die Besonderheiten der DDR-Psychiatrie und beleuchtet überraschende Ähnlichkeiten und Verbindungen, die es mit der „Seelenarbeit“ in der Bundesrepublik gab. Sie fragt auch danach, wie sich dreißig Jahre nach dem Bericht der Kommission des Bundesgesundheitsministeriums von 1991 die Psychiatrie im Osten Deutschlands heute darstellt?